Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16.12.2014 (S. 11) berichtete, soll nun das letzte große Baugrundstück in der Calenberger Neustadt im Bezirk Mitte verkauft werden. 5,26 Millionen Euro wurden für das 5.700 Quadratmeter große Grundstück im Rahmen einer Auktion geboten, das sind 900 Euro pro Quadratmeter – und dies, obwohl das derzeit als Parkplatz genutzte Grundstück vor Umnutzung noch saniert werden muss. Das Bieterverfahren sei auf „großes bundesweites Interesse“ gestoßen, heißt es in einer Landesdrucksache. Mit zehn Investoren sei nachverhandelt worden, den Zuschlag erhielt der hannoversche Projektentwickler Helmut Dannenberg (62), der das Grundstück zusammen mit seinem gleichnamigen Sohn (36) erworben hat und bebauen will. Es ist bezeichnend, dass der Gutachterausschuss das Grundstück lediglich mit 2 Millionen Euro taxiert hatte. An diesem Beispiel wird deutlich, wie der Verkehrswert (als “Jedermannswert”) von dem subjektiven Wert einzelner Investoren abweichen kann.
Grundstück in der Adolfstraße, Hannover (Google-Satellitenbild)
Die Stadt tat nämlich insoweit etwas Richtiges: Sie versteigerte das Grundstück und schöpfte damit einen erheblichen Teil der Bodenrenten ab. Prompt hagelte es Kritik, dass die öffentliche Hand zwar preiswerte Mieten fordert, zugleich aber ihre Grundstücke zu Höchstpreisen verkaufe und damit die späteren Wohnkosten zugunsten von Spekulanten nach oben treibe. Die Kritiker sind sich jedoch offenbar nicht darüber im Klaren, dass die Bodenrente – und damit auch der Bodenpreis – ein Residuum sind, das sich ergibt, wenn vom Projektwert die Kosten für das Bauwerk und dessen Unterhaltung abgezogen werden. Diese Bodenrente wird auf jeden Fall abgeschöpft: Wenn nicht vom Staat, dann von den kommerziell agierenden Investoren oder aber von den privaten Käufern, die sich im Falle einer Vermietung oder eines Wiederverkaufs freuen können (der Fall kann allenfalls dann ein wenig anders liegen, wenn ein solches Grundstück an eine Genossenschaft geht). Mit anderen Worten: Bodenrente und Bodenpreis sind Ausdruck des erzielbaren hohen Mietwertes, aber als Residuum nicht dessen Ursache. Wenn eine Stadt (in Hannover geschah dies auch wiederholt) dazu übergeht, Grundstücke nicht mehr nach Höchstgebot, sondern nach bestem Konzept (z.B. integratives und generationenübergreifendes Wohnen) zum Festpreis an Investoren zu vergeben, so ergibt dies nur Sinn, wenn ein entsprechender Schutzraum auch planerisch gezogen wird, der kommerziell agierende Investoren fernhält. Insoweit müsste der Bebauungsplan angepasst werden.
Im Übrigen: So sinnvoll die Versteigerung in der Adolfstraße auch war – wesentlich besser wäre es gewesen, man hätte das Grundstück per Erbbaurecht verpachtet (und dementsprechend eine “Pachtversteigerung” vorgenommen). Nunmehr ist das weitere Schicksal des Grundstücks nicht mehr in der Hand der Stadt, und von weiteren Erhöhungen der Bodenrente und des Bodenwertes profitieren vom Abverkauf an nur noch die privaten Investoren, nicht aber mehr die Gemeinschaft. Und das sind keine “Peanuts”: So sollen beispielsweise die ehemals von der Stadt Zürich abverkauften Grundstücke in der Bahnhofstraße mittlerweile angeblich einen Pachtwert aufweisen, aus dem allein der Haushalt der Stadt Zürich gedeckt werden könnte.
Nichts Neues: Wieder ein Popanz von Klimakonferenz, der am Ende eine Maus gebiert. Damit die Sache nicht vollkommen scheitert, wurde die UN-Weltklimakonferenz in Lima um einen Tag verlängert; am Ende verständigten sich die 195 teilnehmenden Länder auf Eckpunkte für einen Welt-Klimavertrag, der 2015 in Paris verabschiedet werden soll. Dieses Resultat ist schwach und wurde bereits von Umweltschutzorganisationen heftig kritisiert (ARD 2014). Um das Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen, müssten die CO2-Emissionen weltweit um 40 bis 70 Prozent bis 2050 begrenzt werden, und auf nahe Null bis Ende des Jahrhunderts (o.V. / ZeitOnline 2014b).
Wer emittiert derzeit am meisten, wer nutzt die Atmosphäre als Deponie? Die Chinesen, lautet die verbreitete Antwort, seien die größten Sünder, gefolgt von den USA. Solche Rankings sind nicht sonderlich intelligent, zumal sie Wirtschaftsleistung und Bevölkerungsgröße nicht in die Betrachtung einbeziehen. Liechtenstein käme dementsprechend besser weg als manch ein größeres afrikanisches Land. Wesentlich sinniger ist die CO2-Emission pro Kopf als Orientierungsmarke. Hier sind die USA mit 16 t pro Kopf die größten Sünder, und China folgt erst mit ziemlich weitem Abstand (7,2 t pro Kopf). Und hierbei wird Eines deutlich: Der Durchschnitts-Amerikaner nutzt die Atmosphäre wesentlich intensiver als Deponie als der Durchschnitts-Chinese (o.V. / ZeitOnline 2014a).
Am Ende wird man die Klimaproblematik dann und nur dann in den Griff bekommen, wenn man endlich jedem Menschen dieselben Rechte an der Atmosphäre zusteht: Das nennt sich „Klimagerechtigkeit“. Nur über Klimagerechtigkeit lässt sich die notwendige Begrenzung des CO2-Ausstosses erreichen. Machen einzelne Unternehmen – aus welchem Staat auch immer – mit der überdurchschnittlichen Nutzung der Atmosphäre als Deponie gute Gewinne („atmosphärische Renten“), so haben andere Menschen (vornehmlich in Schwellen- und Entwicklungsländern) auf die Nutzung der Atmosphäre verzichtet. Die überdurchschnittlichen Nutzer sollen darum bitte an diejenigen bezahlen, die Verzicht geübt haben. Dies bedeutet: Die Atmosphäre und die atmosphärische Rente müssen endlich als Gemeinschaftsgut verstanden werden. Ein guter Ansatz hierfür ist das Sky Trust-Konzept (Barnes / Pomerance 2000):
Erst dann, wenn die Finanztransfers von Reich nach Arm fließen, wird es diesen auch finanziell möglich, einen anderen Entwicklungspfad einzuschlagen, der nicht das westliche Industrialisierungsmodell einfach kopiert. Wie im Blog-Beitrag „Der ‚Grüne Klimafonds‘: Zu kurz gesprungen“ dargestellt, sind wir hiervon aber noch meilenweit entfernt.
Auch in Lima war die Finanzierung der Hauptstreitpunkt – wie in den meisten anderen Klimakonferenzen. Die Entwicklungs- und Schwellenländer möchten nicht zugunsten des industrialisierten Westens auf die eigene Entwicklung verzichten – so schwer dies auch für die hiesigen Mainstream-Medien zu verstehen ist. So will China erst von 2030 an mit einer Minderung seiner Emissionen beginnen (ARD 2014).
Auch Ansätze wie der im letzten Monat in Berlin verhandelte „Grüne Klimafonds“ ziehen die Karre nicht aus dem Dreck. Die immanente Logik ist nämlich auch hier, dass die zu verknappenden Rechte zur Nutzung der Atmosphäre zunächst demjenigen gegeben werden sollten, der diese schon okkupiert hat: Wer da schon hat, dem soll gegeben werden (die Umweltökonomen sprechen hier von “Grandfathering”). Und die Kompensation der Anderen findet dann als milde Gabe, also auf freiwilliger Basis statt (in „Geberkonferenzen“) – anstatt als Pflichtveranstaltung, die als Automatismus auf einem Menschenrecht fußt (nämlich dem gleichen Anteil an einem Gemeinschaftsgut, das kein Mensch geschaffen hat). Woher die zugesagten 100 Mrd. Dollar für den Grünen Klimafonds bis 2020 kommen sollen, ist somit weiterhin unklar (ARD 2014).
Wird diese Logik – die die bisherigen Klimaverhandlungen wie ein roter Faden mit ihren Konfliktlinien durchzog – weitergeführt, wird auch die Pariser Konferenz an die Wand fahren.
Die großen Privatvermögen werden heutzutage weniger in der Finanzwirtschaft, sondern im realwirtschaftlichen Bereich gemacht. Amancio Ortega heißt der reichste Mann Europas und der viertreichste Mann der Welt. Er ist der Eigentümer der Modekette Zara – und Immobilienmagnat (Müller 2014). Und nimmt man das Vermögen der beiden verstorbenen Brüder Karl und Theo Albrecht zusammen, dürften diese selbst Warren Buffet und Bill Gates in den Schatten stellen. Dies zeigt die
die am 9.12.2014 um 20.15 im ZDF ausgestrahlt wurde. Also: Eines der größten Vermögen der Welt entstand auf einem heiß umkämpften Wettbewerbsmarkt! Wie ist das möglich?
So könnte der Laden der Eltern der Gebrüder Albrecht in Essen ausgesehen haben (Rechte: ZDF – Die Aldi-Story)
Im realwirt-schaftlichen Raum kommen – so banal dies klingt – die Vermögen durch hohe Erträge zustande, denen keine einzel-wirtschaftlichen Aufwendungen entgegenstehen:
Dies sind nichts anderes als ökonomische Renten.
Ein erfolgreicher Unternehmer braucht zweierlei: Eine zündende Idee und den Raum, in dem er diese Idee verwirklichen kann.
Bei den aus einfachen Verhältnissen stammenden Brüdern Albrecht aus Essen war die zündende Idee die Kampfpreise, gepaart mit einer Reduktion der Vielfalt des Sortiments. Mit dieser Prägung auf Effizienz kamen sie den Bedürfnissen der vielen Menschen mit schmalem Geldbeutel in der jungen Bundesrepublik entgegen.
Den eigentlichen Schub bekam das Aldi-Konzept jedoch durch die konsequente Filialisierung – dies war der notwendige Raum. Heutzutage ist fast innerhalb einer Entfernung von 10 Minuten mit dem Auto ein Discounter zu erreichen; Deutschland ist in der Fläche mit Discountern abgedeckt. Schon in ihrer Kindheit bekamen die Gebrüder Albrecht zu spüren, wie die Filialisten den Krämerladen ihrer Eltern unter Druck setzten – bis zur existentiellen Bedrohung. Später setzten die Gebrüder Albrecht dieses Konzept selber konsequent um. Denn mit jeder zusätzlichen Filiale steigt die Einkaufsmacht und sinkt damit der Einkaufspreis. Die Mieten und Pachten bilden diese wachsenden Skalenerträge jedoch nicht ab – sie orientieren sich am Durchschnittspächter. Und in vielen Fällen werden die Standorte sogar noch subventioniert – durch die Kommunen, die sich untereinander in einem unproduktivem Wettbewerb um steuerzahlende Gewerbebetriebe befinden. Somit schöpfen die Grundstückseigentümer, egal ob privat oder öffentlich, nicht den Wert ab, den die Flächen für die Filialisten haben (also die Bodenrente). Dieser fließt größtenteils den Filialisten zu.
Aldi-Supermarkt, irgendwo
Der Reichtum der Albrechts kam wie gesagt durch ökonomische Renten zustande – die letztlich den Charakter von Bodenrenten haben. Ökonomische Renten sind der Überschuss der Erträge über die Kosten – dies gilt aber nur einzelwirtschaftlich. Denn: “There is no such thing as a free lunch”. Irgendjemand zahlt immer die Zeche. Es gibt noch weitere Kosten, die sich jedoch nicht im Rechenwerk des Aldi-Konzerns wiederfinden, sondern auf die Gesellschaft abgewälzt (externalisiert) wurden und werden (Löhr 2013).
So ließen die Kommunen mit ihrer unkoordinierten, in unproduktivem Wettbewerb erfolgenden Flächenausweisungspolitik in den letzten Jahrzehnten viele neue Einzelhandelsflächen in autoaffinen, nicht integrierten Lagen entstehen – und leiteten damit den Tod ihrer eigenen Innenstädte ein. Mit ihrer Einkaufsmacht sind die Aldis ebenfalls in der Lage, die Vorlieferanten erheblich unter Druck zu setzen (Löhr 2014). Konsequenzen der Discountermacht sind so u.a. die Massentierhaltung, eine schlechte Produktqualität und miserable Arbeitsbedingungen bei den Vorlieferanten.
Die Verfügbarkeit von so viel Land verleiht also Macht. Macht bedeutet die Einschränkung von Handlungs- und Deutungsmöglichkeiten, und damit von Freiheit (Löhr 2013). Sowohl für den Kunden, der diese Einschränkung jedoch des Preises wegen freiwillig in Kauf nimmt, als auch – diesmal unfreiwillig – für den Vorlieferanten (egal, ob dieser in Deutschland oder in Kambodscha sitzt und Hemden wie Turnschuhe näht). Und für Markteintritte besteht keine Chance mehr, wie der Fall Wal Mart zeigt; der amerikanische Konzern konnte niemals an die notwendigen Lagen kommen und die notwendige Größe erreichen, um mit den etablierten Discountern zu konkurrieren, die mittlerweile mehr als 85 % des Marktes beherrschen (Bundeskartellamt 2011).
Eine Wettbewerbspolitik, die diesen Namen verdient, müsste die Verfügbarkeit über Land – und damit das Ausmaß der Filialisierung – beschränken. Sie müsste zudem die Renten, die sich die Gebrüder Albrecht – zu Lasten der Allgemeinheit – eingesteckt haben, der Gesellschaft zuführen.
Ein Weg wäre, dass die Länder sich selber Flächen für Gewerbe- und Einzelhandelsgebiete vorbehalten; Letzteres in integrierten Lagen. So würde die unproduktive Konkurrenz zwischen den Kommunen entschärft. Die beschränkten Flächen im Eigentum des Landes könnten per Erbbaurecht verpachtet werden, und zwar auf dem Versteigerungswege. Lidl müsste gegen Aldi antreten. Für beide wäre nicht überall Platz. Dies würde allerdings vermutlich nur dann funktionieren, wenn Art. 28 des Grundgesetzes, auf den sich die Kommunen zu ihrem eigenen Schaden berufen, umformuliert würde.
Diese Aspekte finden freilich in die ZDF-Doku keinen Eingang; statt dessen stehen die maßgeblichen Personen – also die Gebrüder Albrecht – im Mittelpunkt. Im Übrigen: Was für Aldi gilt, trifft in ähnlicher Weise auch für Lidl, Metro und Edeka zu.
Preisexzesse bei neuen Medikamenten: Gesundheitsexperten und das Bundesgesundheitsministerium sind besorgt. Das ARD-Magazin FAKT (9.12.2014, 21:45) berichtete vom Fall des Medikaments “Sovaldi” des britischen Herstellers Gilead Sciences, das gegen das Hepatitis-C-Virus eingesetzt wird:
Das Medikament kostet 700 Euro pro Tablette (!), eine gebrauchsübliche Packung wird vom Hersteller mit rund 20.000 Euro berechnet. Nach Ansicht des Gesundheitsökonomen Gerd Glaeske von der Universität Bremen wäre ein Preis pro Packung von 1.500 bis zu 2.500 Euro realistisch. Der Rest sind Monopolrenten. Allein für das genannte Medikament rechnen die Krankenkassen in diesem Jahr mit Ausgaben von bis zu 700 Millionen Euro. Das Gesundheitssystem kommt so an seine Grenzen.
Nach dem Arzneimittelneuordnungsgesetz können Hersteller die Preise für Medikamente, die neu auf den Markt kommen und eine wirksamere Therapie im Vergleich zu bisherigen Arzneien ermöglichen, zunächst frei festlegen. Innerhalb eines Jahres nach der Zulassung des Medikaments müssen sie mit den Krankenkassen über geringere Preise verhandeln, die ab dem 13. Monat gelten. Bis dahin sind der Preisbildung keine Obergrenzen gesetzt. An dieser Stelle setzen auch die Reformvorschläge an, formuliert z.B. durch den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach.
Nicht diskutiert werden freilich grundsätzliche Alternativen zum Rent Grabbing der Pharmakonzerne – das gilt auch für den ansonsten verdienstvollen FAKT-Beitrag. Die Konzerne nutzen ihre Monopolposition aus, die nicht nur durch das Arzneimittelneuordnungsgesetz, sondern v.a. durch das geltende Patentrecht gewährt werden. Selbstverständlich müssen Konzerne die Kosten der Forschung wieder einfahren. Das lässt sich jedoch auch mit institutionellen Alternativen bewerkstelligen, die kein Monopolrecht verbriefen und den Wettbewerb durch andere Pharmahersteller ermöglichen. Zu nennen sind hier z.B. Forschungsgutscheine, Patentpools oder Ausschreibungen: Die forschende Institution erhält eine Kompensation für ihre Aufwendungen, das Wissen steht aber für Wettbewerber danach frei zur Verfügung, wenn sie in den Markt eintreten wollen.
Im vorliegenden Fall hatte der Hersteller Gilead Sciences für die Übernahme des Unternehmens, das den Wirkstoff entwickelt hatte, 11 Mrd. Euro bezahlt. Dieser hohe Kaufpreis wiederum bildet die hohen Monopolrenten (in kapitalisierter Form) ab, die aufgrund des Patentschutzes zu erwarten sind. Das Geld muss wieder eingebracht werden, mit einer satten Rendite natürlich – zu Lasten der Versicherten.
Macht – schon immer war sie mit der Verfügungsgewalt über Land verbunden. In agrarischen, vorindustriellen Zeiten jedenfalls. Aber doch nicht im Deutschland des 21. Jahrhunderts, oder? Aber klar, und vielleicht mehr als jemals zuvor – allerdings wesentlich subtiler.
Die Hoffnungen – gerade im zinskritischen (v.a. freiwirtschaftlichen) Spektrum – sind derzeit groß. Nicht nur bekannte Ökonomen wie Mankiw (2009), Buiter (zusammen mit Panigirtzoglou, 2003) und van Suntum (2009), sondern auch auch die Europäische Zentralbank (EZB) greifen den Gedanken eines „Negativzinses“ auf (Cœuré 2014). Das Szenario: Würde diese Politik am kurzen Ende des Geld- und Kapitalmarktes noch entschiedener fortgesetzt und würde v.a. Bargeld in die „Negativzinspolitik“ einbezogen, so könnte der Zinssatz am “kurzen Ende” deutlich negativ werden und sich am “langen Ende” auf die Nullmarke zubewegen. Die Vision von Silvio Gesell (1919 / 1949) – so die Hoffnung – könnte Wirklichkeit werden (Seidel 2014).
Silvio Gesell
Viele Probleme, die einem positiven Zins zugeschrieben werden (wie das Ausbremsen von Investitionen, die Abdiskontierung der Bedürfnisse künftiger Generationen, oder die zinsbedingte Umverteilung), könnten sich so auflösen.
Der Zins hängt nicht am Geld allein
Diejenigen, die sich auf Silvio Gesell berufen, machen freilich – im Gegensatz zu Silvio Gesell selbst – die Rechnung zumeist ohne den Faktor Boden. Hier ergeben sich gleich mehrere Probleme:
Näherungsweise ergibt sich der Bodenwert aus den (mit dem Realzinssatz) abdiskontierten Bodenerträgen („Bodenrenten“), also: Bodenwert ≈ Bodenrente / Realzinssatz. Sinkt der Realzinssatz infolge der Niedrigzinspolitik der EZB immer weiter ab, steigen die Bodenwerte immer weiter an, damit auch die Preise für Immobilien. Es entsteht also eine Blase.
Allerdings können die Bodenwerte nicht bis gegen Unendlich ansteigen, da – anders als manch ein Freiwirtschaftler argumentiert – der Realzinssatz gar nicht bis gegen Null gehen kann. Zumindest ist dies solange nicht möglich, wie am Eigentumsregime für Grund und Boden (wie auch für andere natürliche Ressourcen) nichts geändert wird. Denn der Zins hängt nicht am Geld allein. Bei Privateigentum an Grund und Boden haftet nicht zuletzt auch Grund und Boden ein positiver „Eigenzinssatz“ (Keynes 1936 /1983) an.
Nach Keynes (1936 / 1983) bestimmt die “Liquiditätsprämie” des Geldes (zusammen mit den Durchhaltekosten, die gegen Null gehen) die Untergrenze des Zinssatzes am Kapitalmarkt (also am “langen Ende”). Auch wenn diese Liquiditätsprämie des Geldes durch eine „Liquiditätsgebühr“ auf Bargeld bzw. durch „Negativzinsen“ auf kurzfristige Einlagen neutralisiert würde, könnten daher der positive Eigenzinssatz des Landes und ähnlicher Assets weiterhin einen deutlich positiven Kapitalmarktzinssatz aufrechterhalten (Keynes 1936 / 1983; Löhr 2009).
Was ist die „Liquditätsprämie“?
Was versteht man unter der „Liquiditätsprämie“? Suhr (1989) bezeichnete sie in Bezug auf Geld auch treffend als „Jokervorteil“: Hat man diese Karte im volkswirtschaftlichen Kartenspiel inne, kann man alle anderen Karten ausstechen. Geld gewährt maximale Flexibilität. Der betreffende Vorteil (gegenüber anderen Gegenständen und Rechten) kann auch aus dem optionsartigen Charakter von Geld abgeleitet werden: Geld ist nämlich eine universelle Option – ihm haftet daher eine Optionsprämie an. Diesen Flexibilitätsvorteil, der vielleicht zwischen 1,5 und 2,0 % liegt, gibt man nur auf, wenn man durch die Investition des Geldes (wir sprechen hier nicht über den Konsum) einen höheren Ertrag erzielen kann. Wenn man beispielsweise mit einem investierten Euro 1,03 Euro erwirtschaften kann, entspricht dieser Rückfluss 3 % Rendite und liegt damit – um Risikozuschläge bereinigt – oberhalb der Liquiditätsprämie. Je mehr Kapital aber gebildet wird, umso schwieriger fällt das Erzielen einer „angemessenen“ Rendite.
Wie oben bereits angedeutet, wäre eine notwendige Bedingung für den Erfolg einer „Negativzinspolitik“, dass die EZB den “Jokervorteil” am kurzen Ende des Geldes entwertet. Bargeld und Giralgeld müssten also in entsprechender Höhe (also mit 1,5 – 2,0 %) belastet werden.
Zur positiven Liquiditätsprämie von Land
Diese Bedingung ist jedoch noch nicht hinreichend. Nach Keynes (1936 / 1983) ist es nämlich der Vermögensgegenstand mit der höchsten Differenz zwischen Liquiditätsprämie und Durchhaltekosten, der den Standard für den landesüblichen Zinssatz setzt. Selbst wenn die Liquiditätsprämie des Geldes neutralisiert würde: Mit Grund und Boden verhält es sich grundsätzlich nicht anders als mit Geld. Auch Land hat eine positive Liquiditätsprämie. Warum dies? Nehmen wir vereinfachend an, ein Investor habe
a) die Möglichkeit, ein bebautes Grundstück für den Preis von 1 Mio. Euro zu erwerben;
b) die Gelegenheit, ein unbebautes Grundstück für 200 T€ zu kaufen und zu einem späteren Zeitpunkt ein Betriebsgebäude für 800 T € darauf zu errichten.
Wenn es nun unsicher ist, wie sich die wirtschaftliche Situation in der nahen Zukunft entwickelt: Welche Investitionsstrategie ist wohl für den Investor vorzugswürdig? Jeder einigermaßen ökonomisch denkende Mensch würde angesichts der Unsicherheiten Investitionsstrategie b) vorziehen, weil er hier das Schicksal seines Investments beeinflussen und ggfs. durch ein Hinausschieben oder Unterlassen der Investition sein Verlustrisiko begrenzen kann. Die flexible Investitionsstrategie b) hat daher gegenüber Investitionsstrategie a) einen Mehrwert – bei Letzterer kann der Investor nichts mehr beeinflussen, sondern nur noch hoffen, dass alles gut geht. U.a. deshalb wird für die Flexibilität, die das unbebaute Grundstück dem Investor gewährt, ein Aufpreis bezahlt. M.a.W. wird der Investor das unbebaute Grundstück, das ihm die flexible Investitionsstrategie sichert, nicht für 200 T € bekommen, sondern für 200 T € plus „X“ – also vielleicht für 300 T €, jedenfalls aber mit einem erklecklichen Aufschlag (Löhr 2013).
Und genauso, wie ein Geldbesitzer den Liquiditätsvorteil nur dann aufgibt, wenn der Zinsertrag aus einem Investment größer ist, agiert auch der Eigentümer eines Grundstücks: Dieser wird den Flexibilitätsvorteil nur dann aufgegeben, wenn der Kapitalwert bei Investition (also Bebauung) ebenfalls deutlich größer als der aufgegebene Flexibilitätsvorteil ist. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass dieser Optionsvorteil sich in der Größenordnung von maximal rd. 1 Prozent befindet, also deutlich geringer als die Liquiditätsprämie des Geldes ist (Geld ist eine viel universellere Option als Land). Allerdings dürfte der Flexibilitätsvorteil stark variieren: So zeigt die Strukturkurve der sog. Liegenschaftszinssätze (die vereinfacht Reinertrag und Kaufpreise ins Verhältnis setzt) an, dass Grundstücke mit alten Bauten relativ teurer sind als solche mit jungen Bauten. Naht der Abriss des Gebäudes, lebt eben der Flexibilitätsvorteil des Grundstücks wieder auf (Löhr 2009).
Vor Inkrafttreten der neuen Immobilienwertverordnung (ImmoWertV) – die die geschilderten Zusammenhänge einfach ignoriert – wurde so von Bewertungssachverständigen oftmals eine Bodenwertdämpfung bei bebauten Grundstücken vorgenommen – dies allerdings nach freier, „sachverständiger Schätzung“. Theoretisch lässt sich der Flexibilitätsvorteil aber u.a. aus dem Realoptionsansatz ableiten, der bei theoretischen und z.T. sogar bei praktischen Wertermittlung von Land, natürlichen Ressourcen oder auch Patenten tatsächlich verwendet wird (www.realoptions.org). So ist der Flexibilitätsvorteil umso höher, je länger die Restlaufzeit der Option (bei Privateigentum an Grund und Boden ist diese grundsätzlich unbegrenzt), je höher die Unsicherheit, je höher der Zinssatz (man kann z.B. das nicht in ein Gebäude investierte Geld zwischenzeitig auf dem Kapitalmarkt anlegen) und je geringer die potenzielle Konkurrenz (z.B. durch neu ausgewiesene Baugebiete).
Das Gesagt trifft nicht nur für Grund und Boden zu, sondern kann darüber hinaus auch noch für andere Assets – mit ähnlichen Eigenschaften wie Land – angewendet werden, die dementsprechend in die zinspolitischen Betrachtung einbezogen werden müssten. Keynes kannte den Realoptionsansatz nicht. Wäre dies der Fall gewesen, hätte er mit Blick auf Land und ähnliche Vermögenswerte wohl nicht den Begriff „Liquditätsprämie“, sondern vielleicht allgemeiner „Flexibilitätsprämie“ verwendet.
Konsequenzen für eine Negativzinspolitik
Was würde also passieren, wenn die EZB ihre Negativzinspolitik im freiwirtschaftlichen Sinne konsequent fortsetzt, ohne dass am derzeitigen “Landregime” gerüttelt wird? Die „Grenzleistungsfähigkeit“ des Kapitals, also der Kapitalwert der (neuen) Sachkapitalinvestitionen, dürfte sinken. Diese sind in den meisten Fällen irgendwie an Flächen gebunden. Damit ist es eine Frage der Zeit, wann die Rendite von Maschinen und Fabrikgebäuden so niedrig ist, dass z.B. nach einem Gebäudeabriss nicht mehr reinvestiert wird, sondern die Aufrechterhaltung des Flexibilitätsvorteils des unbebauten Grundstücks attraktiver ist. Wenn aber kein weiteres Realkapital mehr gebildet wird, verfestigt sich die Knappheit, und ein Zins taucht wieder auf. Aufgrund von Arbitragemechanismen beschränkt sich dieser positive Zinssatz nicht nur die Gebäude, sondern pflanzt sich auf dem gesamten Kapitalmarkt fort.
Es reicht also nicht aus, beim „going negative“ ausschließlich auf die EZB zu setzen. Zumindest muss gleichzeitig auch der Liquiditätsvorteil des (unbebauten) Bodens und ähnlicher Assets angegriffen werden. Dies kann bei Land z.B. über eine entsprechend hoch angesetzte Bodenwertsteuer (bei Reduzierung anderer Abgaben, also einem „Tax Shift“) oder durch die Verwendung von Erbbaurechten geschehen. Löhr / Harrison (2013) schlugen auch aus diesem Grunde eine europaweite Bodenwertsteuer vor, die den Flexibilitätsvorteil des Bodens zumindest beschränken könnte (für Deutschland verfolgt die Initiative “Grundsteuer: Zeitgemäß!” einen ähnlichen Ansatz).
Damit dürfte es jedoch noch nicht getan sein, da auch anderen Vermögenswerten (wie z.B. Patente) ebenfalls ein Flexibilitätsvorteil anhaftet. Die Zinsfrage ist also – anders als manch ein Zinskritiker glaubt – sehr wesentlich mit der Eigentumsfrage verbunden. Der Zins hängt eben nicht am Geld allein. Die Diskussion hierüber wurde allerdings leider noch gar nicht begonnen.
Literatur
Buiter W. / Panigirtzoglou, N. (2003): Overcoming the Zero Bound on Nominal Interest Rates with Negative Interest on Currency – Gesell’s Solution, Economic Journal, 113. Folge, S. 723 – 746.
Gesell, S. (1919 / 1949): Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld, Lauf bei Nürnberg.
Keynes, J. M. (1936 / 1983): Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, 6. Aufl., Berlin (unveränderter Nachdruck der 1936 erschienenen ersten Aufl.).
Dank Präsident Petro Poroschenko erhalten demnächst drei Ausländer Schlüsselpositionen in der Ukraine. So wurden im Eilverfahren drei Ausländer eingebürgt und zu Ministern ernannt.
Je röter, umso korrupter … (Quelle: Transparency International)
Die US-Amerikanerin Natalia Jaresko (Finanzen) sowie der Georgier Alexander Kwitaschwili (Gesundheit) und der Litauer Aivaras Abromavicius (Wirtschaft) erhielten per Präsidentendekret die Staatsbürgerschaft der Ex-Sowjetrepublik, wie das Büro von Petro Poroschenko am Dienstag in Kiew mitteilte. Delikat ist der Hintergrund der designierten Minister:
Natalia Jaresko (49) soll Finanzministerin werden. Die US-Amerikanerin ukrainischer Abstammung lebt seit den 90er-Jahren in der Ukraine und leitete u.a. die Wirtschaftsabteilung der US-Botschaft in Kiew. Sie ist Miteigentümerin und CEO der US-Investmentfirma „Horizon Capital“ (o.V. / Die Welt 2014). U.a. war dachte sie im Kontext des sog. „Ukrainian Investment Forum“ über Privatisierungen in der Ukraine nach.
Den Posten des Wirtschaftsministers soll der Litauer Aivaras Abromavicius (38) erhalten, der ebenfalls seit mehreren Jahren in der Ukraine wohnt. Er ist Seniorpartner der schwedischen Investmentfirma “East Capital” AB, die offenbar gute Beziehungen in die USA pflegen (www.eastcapital.com).
Als Gesundheitsminister ist der Georgier Alexander Kwitaschwili (44) vorgesehen, der bereits unter Saakashvilli (der u.a. in 2008 den Krieg in Südossetien angezettelt hatte) in Georgien Gesundheitsminister und Minister für Soziales war. Auch Kwitaschwili wird sowohl eine heftige Abneigung gegen Russland und intensive Beziehungen zum US-amerikanischen Außenministerium nachgesagt.
Offensichtlich gab es hinsichtlich der neuen Minister einen Deal zwischen dem Präsidenten und dem Ministerpräsidenten, zumal laut Verfassung der Ukraine der Präsident für Sicherheits- und Außenpolitik, der Regierungschef für die Wirtschaft verantwortlich ist (Jeglinski 2014) .
Schließlich wurde auch noch ein neues Ministerium für Informationspolitik („Wahrheitsministerium“) geschaffen, von dem befürchtet wird, es werde eine Art Propagandaministerium (Kim 2014).
Die Neubesetzungen können freundlich als frische Besen interpretiert werden, die das Land von der grassierenden Korruption säubern sollen. Im Korruptionsindex 2014, der soeben von Transparency International veröffentlicht wurde, ist die Ukraine Schlusslicht in Europa; hinter dem Kosovo, Albanien und Russland.
Weniger freundlich kann man die Neubesetzungen auch als Marionetten Washingtons deuten. Die neuen Personalien dürften die russischen Einkreisungsängste nicht gerade mindern.
Auch die Nähe der neuen Regierungsmitlieder zu klassischen Rent Grabbern (netter ausgedrückt: “Investment-Fonds”) lässt nichts Gutes erhoffen. Damit reihen sich die ausländischen Kabinettsmitglieder allerdings in den ukrainischen Ministerbestand nahtlos ein. Igor Schewtschenko zum Beispiel, Minister für Ökologie und Naturressourcen, hat in Italien Europarecht studiert und ist Rechtsanwalt und Gründer von Shevchenko Asset Management. Andrej Piwowarski hat die Fletcher School of Law and Diplomacy in Boston absolviert und war bis zu seiner Ernennung zum Infrastrukturminister Generaldirektor der Kontinium Group, einer industriellen Holding. Der neue Landwirtschaftsminister Oleksej Pawlenko hat in den Niederlanden studiert und ist Partner bei Pharus Assets Management (Kim 2014). Der Ausverkauf der Ukraine –einst mit Leuten wie wie Julia Timoschenko gestartet – dürfte somit personell abgesichert sein. Wo ökonomische Renten privatisiert werden, wird regelmäßig Tür und Tor für Korruption geöffnet. Die oben angesprochene freundliche Interpretation der Personalien – neue Besen gegen Korruption – ist also im besten Falle äußerst naiv, wenn nicht sogar schizophren.
HIV und die Jagd nach Ressourcenrenten – was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Wieder eine neue Verschwörungstheorie?
Keineswegs. Der HIV-Virus ist nicht erst seit den 1980er Jahren eine Plage der Menschheit, sondern schon seit mehr als 100 Jahren. Er brach höchst wahrscheinlich in Französisch-Äquatorialafrika aus, also während der Kolonialzeit. Von dort aus kam er dann irgendwie in die belgische Kolonie des Kongo. Die Region war und ist reich – sowohl die ehemals französische wie auch die ehemals belgische Kolonie. Wie Belgien war auch Frankreich vor allem an den Rohstoffen im Kongo interessiert. Dabei spielte Naturkautschuk angesichts der aufkommenden Motorisierung eine hervorragende Rolle. Frankreich wollte jedoch nicht in die Infrastruktur investieren, um die Rohstoffe auch bis an die Küste verfrachten zu können. Statt dessen vergab es Ausbeutungsrechte an private Gesellschaften. Diese versklavten praktisch die einheimische Bevölkerung , die als Lastenträger die fehlende Infrastruktur ersetzten (während die Gräuel des belgischen Kolonialismus im Kongo bekannt sind, wurden die französischen Grausamkeiten sorgsam gehütet – insgesamt dürften allein während dieser Zeit zwischen 5 bis 8 Mio. Menschen ihr Leben gelassen haben).
Kongo: Versklavte Bevölkerung (Quelle: ARTE)
Der HIV-Virus, der in Französisch-Äquatorialafrika wahrscheinlich von Wildtieren (höchstwahrscheinlich Affen) auf den Menschen übersprang, breitete sich so schon vor ca. 100 Jahren entlang der Transportrouten der Rohstoffe bis nach Kinshasa in den belgischen Teil des Kongo unaufhörlich aus. Die schlimmen sozialen Zustände für die Menschen entpuppten sich als Paradies für die Viren. Verschärft wurde die Situation noch durch Impfaktionen gegen aufkommende Krankheiten (allen voran die Schlafkrankheit), welche mit unzureichend gereinigten Nadeln durchgeführt wurden. Mitte des letzten Jahrhunderts kam es so schon zu den ersten größeren HIV-Epidemien, wie sich anhand von konservierten Gewebeproben nachweisen lässt.
Bis heute hat sich offenbar an dem skizzierten Muster nicht allzu viel geändert. Auch das postkoloniale Kongo ist immer noch ein wichtiger Rohstofflieferant für seine ehemaligen Kolonialherren. Die Transporte werden nicht mehr durch Sklaven, aber durch Arbeitskräfte durchgeführt, die unter erbärmlichen Bedingungen ihr Dasein fristen. Während die Rohstoffrenten zwischen westlichen Konzernen und einer einheimischen Elite aufgeteilt werden, geht kein Geld an die Förderstätten zurück. Dort ist man nach wie vor auf den Verzehr von Wildtieren angewiesen, dort springen nachgewiesenermaßen immer wieder neue Viren auf den Menschen über und verbreiten sich. Die nächste Epidemie ist vorprogrammiert. Übrigens: Auch Ebola dürfte sich auf diesen Pfaden ausgebreitet haben.
Es ist vor allem ein Erbe des belgischen Mediziners Dirk Teuwen, den Ursprung von HIV bis in die Vergangenheit recherchiert zu haben. Siehe hierzu mehr im äußerst sehenswerten Beitrag von ARTE: